Yoga-Hilfsmittel: Was wirklich hilft und was im Regal verstaubt

Yoga-Hilfsmittel: Was wirklich hilft und was im Regal verstaubt

par Stefan Herbst le juin 01 2026
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    Über Props wird im Yoga erstaunlich leidenschaftlich gestritten. Die einen halten einen Block für Schummeln. Die anderen kommen ohne Gurt gar nicht erst in eine vernünftige Vorwärtsbeuge. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen und sie hängt stark davon ab, wie der eigene Körper an einem bestimmten Tag gerade gelaunt ist.

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    Eines vorweg: Die meisten von uns sitzen acht, neun Stunden am Tag. Hüften, Brustwirbelsäule und die hinteren Oberschenkel nehmen uns das übel. Wer dann auf die Matte geht und erwartet, dass sich der Körper anstandslos in jede Haltung faltet, wird zuverlässig enttäuscht. Genau an dieser Stelle kommen Hilfsmittel ins Spiel. Nicht, um die Praxis „leichter" zu machen im Sinne von bequemer, sondern um sie überhaupt erst sauber machbar zu machen.

     

    Der Block – das ehrlichste Hilfsmittel überhaupt

     

    Müsste man sich auf ein einziges Prop festlegen, wäre es vermutlich der Block. Im Dreieck (Trikonasana) verlängert er den Boden bis zur Hand, statt dass man sich krampfhaft nach unten quält und dabei den ganzen Brustkorb nach vorne kippt. Im halben Mond verhindert er, dass die Standhüfte einsackt. Und beim aufrechten Sitzen tut er Wunder: einfach draufsetzen, schon kippt das Becken nach vorn und der untere Rücken hört auf zu jammern.

     

    Das Schöne am Block ist, dass er nichts kaschiert. Er bringt einem nur den Boden ein Stück entgegen den Rest der Arbeit macht man weiterhin selbst.

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    Der Gurt für alles, was man (noch) nicht erreicht

     

    Ein Yogagurt ist im Grunde ein verlängerter Arm. Im sitzenden Vorwärtsbeugen schlingt man ihn um die Fußballen und zieht sich daran heran, ohne den Rücken rund zu machen – ein Unterschied wie Tag und Nacht, gerade für alle mit knackigen Oberschenkelrückseiten. Beim Schulteröffnen, etwa wenn man die Hände hinter dem Rücken verschränken möchte, überbrückt er die Lücke, bis die Beweglichkeit irgendwann nachkommt.

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    Praktischer Nebeneffekt: Wer abends nach langen Schreibtischtagen ein paar Minuten mit dem Gurt dehnt, merkt das in der Regel schneller als nach drei ambitionierten Studiobesuchen.

     

    Bolster, Kissen, Matte – die Komfort-Frage

     

    Mit den Jahren verschiebt sich bei vielen der Blick. Anfangs geht es um „Was schaffe ich?", später eher um „Wie fühlt sich das an?". Spätestens dann werden Bolster und Kissen interessant. Ein Bolster unter den Knien in Savasana nimmt dem unteren Rücken die letzte Restspannung. Im Yin Yoga, wo Haltungen schon mal fünf Minuten dauern, entscheidet die Unterlage darüber, ob man tatsächlich loslässt oder die ganze Zeit gegen Unbehagen anarbeitet.

     

    Und die Matte selbst? Eine billige, rutschige Matte sabotiert jeden herabschauenden Hund, die Hände wandern langsam nach vorn, und man verbringt die halbe Stunde damit, sich zurückzuschieben. Hier lohnt sich Qualität schlicht aus praktischen Gründen, nicht aus Prinzip.

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    Vor dem Kauf Produkt und Anbieter vergleichen

     

    Gute Props halten Jahre, deshalb lohnt vor dem Kauf ein kurzer Vergleich, und zwar nicht nur der Produkte, sondern auch des Shops. Sinnvolle Kriterien sind nachvollziehbare Material- und Größenangaben, Pflegehinweise, transparente Versand- und Rückgabebedingungen. Bei einer Matte entscheidet die Dicke darüber, ob sie eher zu sanfter oder zu dynamischer Praxis passt, bei einem Kissen das Füllmaterial, bei einem Block, ob Kork oder Schaumstoff besser zur eigenen Hand liegt. Ein praktischer Zwischenschritt sind Erfahrungsberichte, denn wer schon bestellt hat, beschreibt oft die wichtigen Details der Praxis.

     

    Viel hilft nicht viel

     

    Man muss sich nicht ausstatten wie ein kleines Studio. Block, Gurt, eine ordentliche Matte und vielleicht ein Bolster damit ist man für so ziemlich alles gerüstet, was eine Heimpraxis braucht. Den Rest kauft man eher aus Sammelleidenschaft als aus Notwendigkeit. Wer mag, ersetzt anfangs sogar das eine oder andere: zwei dicke Bücher tun es zur Not als Block, ein fester Gürtel als Gurt. Nur wird man die richtigen Props recht schnell vermissen, sobald man sie einmal benutzt hat. Und wer beim Equipment sparen will, findet auch beim Discounter brauchbare Yoga-Tools, nicht alles davon lohnt sich, aber einige Teile durchaus.

     

    Props sind kein Eingeständnis

     

    Die Vorstellung, Hilfsmittel seien etwas für Anfänger oder für Menschen mit „schlechtem" Körper, hält sich hartnäckig und sie ist Unsinn. In gut geführten Klassen greifen die erfahrensten Leute am selbstverständlichsten zum Block. Sie wissen einfach, dass eine saubere Haltung mit Unterstützung mehr bringt als eine ehrgeizige ohne.

     

    Jeder Körper ist anders gebaut, reagiert anders auf Belastung und hat seine eigenen Tage. Die Praxis dem eigenen Körper anzupassen statt umgekehrt ist keine Schwäche, sondern eigentlich der ganze Punkt. Und wenn ein simpler Schaumstoffblock dabei hilft, konzentrierter und entspannter zu üben, warum sollte man darauf verzichten?

     

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